Vorsorge

Für dein Kind investieren: Juniordepot, ETF und die Roadmap in fünf Schritten

Warum Zeit der größte Hebel ist, wem das Geld im Juniordepot gehört, welche Steuervorteile nur Kinder haben und wie du in fünf Schritten startest. Mit Video.

Stell dir vor, dein Kind wird 18 und bekommt neben Führerschein und Glückwünschen ein Depot geschenkt, das über die Jahre auf 20.000, 30.000 oder mehr Euro gewachsen ist. Kein Lottogewinn, kein Risiko im Casino, nur eine Entscheidung, die du heute triffst. In meinem Video zeige ich die komplette Roadmap: Juniordepot, die Steuervorteile, die nur Kinder haben, der richtige ETF und die fünf Schritte zum Start. Hier alles zum Nachlesen.

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Zeit ist der größte Hebel

Wenn du für dich selbst investierst, hast du vielleicht noch 20 oder 30 Jahre bis zur Rente. Dein Kind hat ab der Geburt mindestens 18 Jahre, bevor es überhaupt an das Geld muss. Nutzt es das Depot erst mit 30 für die eigene Wohnung oder lässt es bis zur Rente laufen, reden wir über 30 bis 60 Jahre. Das ist der Zinseszinseffekt in seiner stärksten Form.

Ein Beispiel: Du legst ab der Geburt 50 € im Monat an, bei 7 % Rendite pro Jahr, wie sie der weltweite Aktienmarkt im langjährigen Schnitt gebracht hat. Mit 18 stehen rund 21.000 € im Depot. Selbst eingezahlt hast du 10.800 €, mehr als die Hälfte ist Gewinn. Lässt dein Kind das Geld bis 30 liegen, sind es bei gleichem Einsatz rund 60.000 €.

Start des SparplansEingezahlt bis 18Wert mit 18
Bei der Geburt10.800 €ca. 21.600 €
Mit 8 Jahren6.000 €ca. 8.700 €
Mit 13 Jahren3.000 €ca. 3.600 €

Annahme: 50 € im Monat, 7 % Rendite pro Jahr, Steuern und Kosten nicht berücksichtigt. Der wichtigste Faktor ist nicht die Höhe der Rate, sondern der frühe Start. Jeder Monat, den du wartest, kostet dein Kind am Ende bares Geld.

Juniordepot oder Depot auf deinen Namen?

Die erste Entscheidung: Auf wen soll das Depot laufen? Es gibt zwei Wege, und beide haben eine Kehrseite.

  • Depot auf deinen Namen: Du behältst die volle Kontrolle, auch über den 18. Geburtstag hinaus. Steuerlich ist das aber der schlechtere Weg, weil die Erträge deinen eigenen Sparer-Pauschbetrag belasten. Und die Übergabe an das Kind ist später eine Schenkung, die du sauber dokumentieren musst.
  • Echtes Juniordepot auf den Namen des Kindes: Meine klare Empfehlung. Das Geld gehört von Tag eins dem Kind, das Kind ist ein eigener Steuerzahler mit eigenen Freibeträgen. Der Preis dafür: Mit 18 geht die Verfügung komplett auf dein Kind über, und du darfst das Geld zwischendurch nicht für eigene Zwecke nutzen. Es ist Vermögen deines Kindes, du verwaltest es nur.

Einzahlungen ins Juniordepot sind Schenkungen. Der Freibetrag liegt bei 400.000 € je Elternteil innerhalb von zehn Jahren, für Großeltern bei 200.000 €. Bei normalen Sparraten spielt das keine Rolle, gut zu wissen ist es trotzdem.

Merksatz

Das Juniordepot ist steuerlich der beste Weg, verlangt aber Vertrauen: Mit 18 entscheidet dein Kind allein. Genau deshalb ist finanzielle Bildung der wichtigste Teil dieses Plans.

Der Steuervorteil, den nur Kinder haben

Normalerweise zahlst du auf Kapitalerträge 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag, sobald dein Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € im Jahr ausgeschöpft ist. Dein Kind hat diesen Pauschbetrag ebenfalls, und zusätzlich den vollen Grundfreibetrag, weil es in der Regel kein anderes Einkommen hat. Zusammen kann ein Kind aktuell rund 13.000 € Kapitalerträge im Jahr steuerfrei vereinnahmen.

Damit der Broker die Steuer gar nicht erst einbehält, beantragst du beim Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung, kurz NV-Bescheinigung, und reichst sie bei der Bank ein. Sie gilt drei Jahre. Solange die Erträge unter 1.000 € bleiben, reicht auch ein einfacher Freistellungsauftrag im Namen des Kindes.

Ein Profi-Tipp: Steht das Depot deutlich im Plus, kannst du Anteile verkaufen und sofort wieder kaufen. Der Gewinn wird realisiert, bleibt dank der Freibeträge steuerfrei, und der Einstandskurs liegt danach höher. Wenn dein Kind später mit 20 oder 25 Geld entnimmt, ist dieser Teil bereits versteuert. Achte nur darauf, die Freibeträge des Jahres nicht zu überschreiten.

Achtung Krankenversicherung

Ist dein Kind über dich familienversichert, gibt es eine Einkommensgrenze, die auch Kapitalerträge zählt. Sie liegt bei einem Siebtel der monatlichen Bezugsgröße, 2026 sind das gut 560 € im Monat. Ein normaler ETF-Sparplan kommt da erst bei sehr hohen Depotwerten hin, aber behalte es im Blick, wenn du Gewinne realisierst.

Warum ein Welt-ETF die naheliegende Wahl ist

Vergiss das Sparbuch, vergiss das Tagesgeldkonto, und lass dir keine teure Ausbildungsversicherung verkaufen. Diese Produkte fressen die Rendite über Gebühren, die Inflation frisst den Rest. Bei einem Horizont von 18 Jahren ist die Anlage in Aktien für die meisten Familien der sinnvollste Weg. Wir zocken nicht, wir investieren, und dafür reicht ein einziger breit gestreuter ETF.

Ein ETF auf den MSCI World oder den FTSE All-World investiert in bis zu 3.600 Unternehmen weltweit. Deinem Kind gehört damit ein kleines Stück von tausenden Unternehmen weltweit, von den größten Konzernen bis zum Mittelstand. Historisch hat der Weltaktienmarkt über jeden 15-Jahres-Zeitraum ein positives Ergebnis geliefert. Das ist eine Beobachtung der Vergangenheit und keine Garantie, aber bei 18 Jahren Anlagehorizont spricht viel dafür, dass sich Schwankungen ausgleichen.

Wähle die thesaurierende Variante: Dividenden werden automatisch wieder angelegt, du musst dich um nichts kümmern und der Zinseszins läuft von allein. Den Sparplan legst du am besten auf den Monatsanfang, direkt nach dem Kindergeld-Eingang. Das ist das System, das gewinnt: automatisch, langweilig, wirksam.

Verwandte einbinden: Depot statt Kuscheltier

Geburtstag, Weihnachten, Taufe: Das Kinderzimmer quillt über vor Spielzeug, das nach wenigen Wochen in der Ecke liegt. Hier bist du der Finanzcoach der Familie. Sag Großeltern, Onkeln und Tanten offen, dass ihr das Geld lieber ins Depot legt. Viele Banken bieten beim Juniordepot eine einfache Möglichkeit, per Dauerauftrag direkt aufs Verrechnungskonto einzuzahlen.

Gibt Oma 20 € im Monat dazu, sind das über 18 Jahre bei 7 % mehr als 8.000 € zusätzlich. Das ist der Unterschied zwischen einem gebrauchten Kleinwagen und einem wirklich soliden Auto zum Start ins Erwachsenenleben.

Die Roadmap: in fünf Schritten zum Juniordepot

  • Schritt 1: Bank wählen. Such dir ein kostenloses Juniordepot, bei dem die Sparplan-Ausführung auf ETFs dauerhaft 0 € kostet. Direktbanken und Neobroker bieten das heute an.
  • Schritt 2: Identität nachweisen. Du brauchst die Geburtsurkunde und die Steuer-ID deines Kindes sowie die Ausweise beider Erziehungsberechtigten. Die Steuer-ID kommt in Deutschland kurz nach der Geburt per Post.
  • Schritt 3: ETF auswählen. Ein thesaurierender Welt-ETF auf MSCI World oder FTSE All-World, möglichst günstig in den laufenden Kosten.
  • Schritt 4: Sparplan einrichten. Fang mit einer Rate an, die nicht weh tut und die du wirklich durchhältst: das halbe Kindergeld oder erst einmal 25 €. Wichtig ist, dass die Maschine läuft.
  • Schritt 5: Steuern regeln. Freistellungsauftrag im Namen des Kindes einrichten. Sobald die Erträge über 1.000 € im Jahr gehen, die NV-Bescheinigung beim Finanzamt beantragen und bei der Bank hinterlegen.

Wo steht ihr als Familie?

Das Juniordepot ist ein Baustein, ein sehr guter. Ob er bei euch an der richtigen Stelle sitzt, hängt vom Rest ab: Habt ihr einen Notgroschen? Läuft eure eigene Altersvorsorge? Sind Einkommen und Familie abgesichert, falls etwas passiert? Wer fürs Kind spart, aber selbst ungeschützt ist, baut auf Sand.

Genau dafür haben wir bei InvestPlan den Selbsttest gebaut. Drei Minuten, ein paar ehrliche Fragen, und am Ende bekommst du eine Einordnung, wo ihr steht und was der sinnvolle nächste Schritt ist. Kostenlos, ohne Anmeldung, und wenn du willst, bespricht ein Berater aus meinem Team das Ergebnis mit dir.

Das wichtigste Asset: finanzielle Bildung

Das größte Risiko für das Depot deines Kindes ist kein Börsencrash. Das größte Risiko ist, dass dein Kind mit 18 keine Ahnung von Geld hat, alles verkauft und sich ein überteuertes Auto kauft, das nach drei Jahren die Hälfte wert ist. Geld ohne Bildung ist schneller weg, als du es buchstabieren kannst.

Deine Aufgabe ist deshalb nicht nur zu sparen, sondern dein Kind mitzunehmen. Zeig ihm ab zehn oder zwölf Jahren, wie das Depot wächst. Erkläre, dass ihm ein winziges Stück des Filmstudios gehört, wenn ihr einen Film schaut, oder des Herstellers, wenn es sich ein Smartphone wünscht. Erkläre den Unterschied zwischen Konsum und Investieren.

Wenn dein Kind versteht, dass das Geld im Depot für es arbeitet, wird es mit 18 nicht alles auf den Kopf hauen. Es wird den Sparplan stolz selbst weiterführen. Das ist das eigentliche Erbe: die Freiheit, mit Wissen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Dein Kind wird dir in 18 Jahren danken. Nicht nur für das Geld, sondern für die Weitsicht.

Fazit

Für dein Kind zu investieren ist keine Frage des großen Geldes, sondern des frühen Starts. Juniordepot eröffnen, thesaurierenden Welt-ETF wählen, Sparplan einrichten, Steuern über Freistellungsauftrag und NV-Bescheinigung regeln, Verwandte einbinden. Fünf Schritte, ein Nachmittag Aufwand, und danach arbeitet die Zeit für dein Kind.

Das Einzige, was jetzt noch zwischen deinem Kind und einem sorgenfreien Finanzstart steht, ist die Umsetzung. Und wenn du dabei Unterstützung willst: Mach den Selbsttest oben oder buch dir ein kostenloses Gespräch mit meinem Team. Wir gehen das gemeinsam durch.

Hinweis

Dieser Artikel fasst mein Video zusammen und dient der finanziellen Bildung. Er ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Freibeträge und Grenzen gelten mit Stand 2026 und können sich ändern.

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Häufige Fragen

Ab wann sollte ich für mein Kind investieren?

So früh wie möglich, am besten ab der Geburt. 50 € im Monat bei 7 % Rendite ergeben bis zum 18. Geburtstag rund 21.000 €, davon sind nur 10.800 € eingezahlt. Wer erst mit 8 Jahren startet, kommt bei gleicher Rate auf rund 8.700 €.

Was ist der Unterschied zwischen Juniordepot und Depot auf meinen Namen?

Beim Juniordepot gehört das Geld von Anfang an dem Kind, es nutzt eigene Freibeträge und übernimmt mit 18 die volle Verfügung. Beim Depot auf deinen Namen behältst du die Kontrolle, zahlst aber auf Erträge oberhalb deines Sparer-Pauschbetrags Steuern und musst die spätere Übergabe als Schenkung dokumentieren.

Wie viel Kapitalerträge darf ein Kind steuerfrei haben?

Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € plus Grundfreibetrag, zusammen rund 13.000 € im Jahr (Stand 2026). Damit die Bank keine Steuer einbehält, brauchst du eine Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt oder, bei kleineren Erträgen, einen Freistellungsauftrag im Namen des Kindes.

Welcher ETF eignet sich für ein Kinderdepot?

Ein breit gestreuter, thesaurierender Welt-ETF, etwa auf den MSCI World oder den FTSE All-World, mit niedrigen laufenden Kosten. Thesaurierend heißt, Dividenden werden automatisch wieder angelegt, der Zinseszins läuft ohne dein Zutun.

Quellen

Ibo Ahmiane
Co-Founder & Finanz-Creator · InvestPlan
Ibo Ahmiane ist Mitgründer von InvestPlan und als „ProfessorFinanzen" mit über 2 Millionen Followern einer der bekanntesten Finanz-Creator Deutschlands. Sein Fokus: verständliche Finanzbildung zu ETFs, Altersvorsorge und langfristigem Vermögensaufbau — ohne Schnell-reich-Versprechen.
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